17/8 Warum E-Learning?

Kategorie: e-Learning    Von miriam um 15:29
Einmal mehr diese Frage
Erst kürzlich hat mir jemand gesagt, er hätte noch keinen einleuchtenden Grund, ICT zu nutzen in seinem Bildungsangebot. Angebotsverantwortliche haben mich in einer Konzeptsitzung gefragt: «Und wie soll ich das meinen Lehrenden beibringen, dass sie Online-Lerninhalte produzieren müssen, dass sie sich dazu evtl. weiterbilden müssen, dass sie Zeit investieren müssen?»

In einem Papier für Ausbildungsverantwortliche habe ich versucht, in Dialogischer Form einige Argumente aufzuarbeiten. Das hatten wir schon, ich weiss, aber vielleicht stehen wir jetzt an einem anderen Punkt. Für Ergänzungen und Tipps bin ich dankbar!


Argumente für den Einsatz von ICT im Unterricht
Die Frage «Warum E-Learning?» wird immer wieder gestellt. Es ist die Frage, die am Anfang von jeder Bestrebung steht, E-Learning bzw. den Einsatz von Informations- und Kommunikations-Technologien in einer Bildungsorganisation einzuführen. Es ist auch die Frage, die alle Beteiligten für sich selbst zu beantworten haben, bevor sie Konzepte entwerfen, sich in E-Moderation oder technischen Belangen weiterbilden oder didaktische Szenarien planen.
Während die einen nicht mehr bereit sind, neue Medien zu integrieren und lieber beim Bewährten bleiben, sind die anderen begeistert über den Einsatz von ICT (Information- and Communication Technologies) in der Bildung. Tatsache ist, dass nicht die Lernplattform Lernerfolge garantiert, sondern nach wie vor das didaktische Design der Lernszenarien.

Der folgende Dialog zwischen Skeptiker und Befürworterin soll Argumente für den Einsatz von ICT im Unterricht liefern.

1 - Warum E-Learning?

Skeptiker
«Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir! Nichts geht über eine solide Basis, davon kann ich ein Leben lang zehren!»

Befürworterin
«Aktuelles Wissen bedeutet Handlungskompetenz und lebenslanges Lernen ist unumgänglich, denn die Zukunft ist offen!»

Argumente
In der Wissensgesellschaft ist lebenslanges Lernen eine Notwendigkeit geworden, um handlungskompetent zu bleiben. Lebenslanges Lernen ist das einzige Mittel, um in der aktuellen gesellschaftlichen Situation das eigene Wissen und damit die Handlungskompetenz à jour zu halten und in der Wirtschaft zu bestehen.
Internet-Kompetenz im weitesten Sinne wird zunehmend eine Frage der Kulturtechnik. Es ist wichtig, zu verstehen, was jemand meint, wenn sie sagt, sie habe in einem Internet-Forum gelesen, dass... oder wenn jemand sagt, er würde sein Blog regelmässig updaten... oder wenn jemand erzählt, sie reserviere die Bücher bei der Bibliothek online... oder wenn jemand sagt, sie habe eine seltene Postkarte erstanden bei eBay... oder wenn jemand sagt, er habe seine persönliche Linksammlung bei del.icio.us publiziert, und man könne sich dort vernetzen... etc.
Nicht alle müssen alles können, wissen, verwenden. Nicht alle brauchen das alles. Aber verstehen, wovon die Rede ist, sollten wir. Wer das Internet nicht nutzen lernt, kann nicht sicher sein, ob und wie künftig an Informationen und Wissen heranzukommen. Inzwischen gibt es bereits Information, die nur noch via Internet zugänglich ist. Auch Informelles läuft einiges nur noch via Internet. Vielleicht wird in Zukunft die Online-Ausgabe einer Zeitung wichtiger sein als das Papier.

2 - Moderne Kommunikationsmittel und Internet unterstützen das Lernen

Skeptiker
«Ich kann mich doch auch mit meinen Gruppenmitgliedern treffen! So hat das bisher auch geklappt.»

Befürworterin
«Endlich muss ich mich nicht mehr Face-to-Face treffen mit den anderen Gruppenmitgliedern, sondern wir können auch über das Internet kommunizieren. Ich gewinne Zeit und kann dann lernen, wenn meine Kinder schlafen. Das ist effizienter!»

Argumente
Es käme niemandem in den Sinn, nur 200 Meter zu Fuss zu laufen, nur um jemandem eine Nachricht zu überbringen. Seit mehr als 100 Jahren haben wir das Telefon. Es macht gerade keinen Sinn, Internet und ICT aus der Bildung zu verbannen, weil Bildung, welche die modernen Mittel und Möglichkeiten nicht nutzt, bald selbst veraltet sein wird. Die Jugend wird sich das notwendige Wissen um die Nutzung der Medien parallel holen. Die Gefahr, dass «traditionelles» Arbeiten dann als ineffizient, langweilig oder unpraktisch abgetan wird, ist gegeben. Die Schule wird ihren Einfluss einbüssen und kann nicht mehr ein Mittelpunkt des Interesses der Lernenden sein. Genau das aber muss sie versuchen, nämlich Lernende für sich gewinnen. Lernen soll Sinn und Spass machen. Das tut es nur, wenn wir die gewohnten alltäglichen Kommunikations-Umgebungen nutzen. Nur so wird Lernen auch zum Alltag. Schule ist auch zu Hause.

3 - Individualisierung und Eigenverantwortung

Skeptiker
«Ich muss lernen, was mein Beruf erfordert. Das habe ich bereits während der Lehre getan. Mein Arbeitgeber bildet mich weiter und das ist dann genau das, was ich brauche. Internet hat darin keinen Platz.»

Befürworterin
«Mir sagt niemand, was ich wann und wie lernen soll. Es gibt aber einiges zu tun. Allein die Nutzung der neuen Medien fordert mich. Wer informiert ist, z. B. über Trends und Bewegungen auf dem Arbeitsmarkt, eine eigene Haltung dazu hat und diese auch äussert, hat die besseren Chancen. Das Internet hilft mir dabei, Informationen zu bekommen und mich dazu zu äussern.»

Argumente
Die Gesellschaft verlagert die Verantwortlichkeiten vom Staat auf das Individuum. So auch im Bereich der (Weiter-)Bildung. Zwar gibt es noch immer eine obligatorische Schulpflicht und alle Menschen haben ein Recht auf Bildung. Zentral scheint aber, dass wir als Individuen heute unsere Bildung selbst in die Hand nehmen, selbst verantworten und selbst steuern. Das ist eigentlich auch gut so. Wir müssen selbst unseren Weg sehen und entscheiden, welche Bildung wir dazu brauchen. Das Angebot ist gross, die Entscheidung, welches Angebot das Richtige ist, nicht immer einfach.
Es ist keine Frage mehr, dass Lebensgestaltung individuell erfolgen muss, dass ein oder zwei Modelle nicht mehr genügen. Auch deshalb scheint heute mehr möglich und erlaubt als früher. Das Lernen muss dieser Individualisierung genügen. Individualisierungsfaktoren sind z. B. zeitliche und örtliche Unabhängigkeit des Lernens, Lerntypen, Lerntempo. Digitale Medien unterstützen diesen Trend.

4 - Vernetzung fördern

Skeptiker
«Vernetzung bedeutet, dass ich mein Wissen Preis gebe. Ich habe nichts davon, wenn andere sich mit meinen federn schmücken!»

Befürworterin
«Ich vernetze mich, weil ich Feedback bekomme auf meine Arbeit und ausserdem noch von jener anderer profitieren kann. Alle lernen von allen und alle geben ein Stück von sich.

Argumente
Gerade wegen dem Trend der Individualisierung beginnen sich die Menschen (global) zu vernetzen. Wenn ich mich von meinen physischen Nachbarn unterscheide, finde ich gleichgesinnte eben anderswo. Anderswo ist auch das Internet. Communities entstehen und tauschen sich regelmässig und mehr oder weniger intensiv über das Netz aus.
Auch dies sollte bereits in der Schule gelernt werden: Wie vernetze ich mich? Welche Netzwerke kann ich nutzen? Lernende müssen sich sozial und kommunikativ kompetent in diesen Netzwerken bewegen können, weil sie nämlich im Alltag genau damit konfrontiert sind. Wenn diese Netzwerke aussen vor bleiben, dann lernt die Schule an der Gesellschaft vorbei.

5 - Neue kollaborative Möglichkeiten

Skeptiker
«Ich brauche diese kollaborativen Möglichkeiten des Internets nicht, weil ich mein Wissen sowieso für mich behalten will. Ich will nicht, dass jemand von meiner Arbeit profitiert und ich habe dann nichts davon! Ausserdem weiss ich auch nicht immer, was diskutieren!»

Befürworterin
«Ich finde es toll, dass ich einen Dialog oder eine Arbeit z. B. in einem Forum oder in einem Wiki quasi dokumentieren kann. Ich kann mir zudem meine Teamkollegen aussuchen, weil ich jetzt vielmehr Auswahl habe! Ich muss mich nicht auf meinen Wohnort konzentrieren, sondern kann online genau so gut arbeiten.»

Argumente
Das Internet bietet neue kollaborative Arbeitsformen. Diese zu kennen und zu nutzen gehört ebenfalls zu den wichtigsten Kompetenzen. Experten müssen zusammenarbeiten, wenn sie Projekte erfolgreich zu Ende bringen wollen. So funktioniert heute ein Team. Viele Aufgaben können nur im Team bewältigt werden, weil ein Mensch alleine nicht alle Expertise in sich selbst vereinen kann. Es ist auch gar nicht nötig. Wenn uns die Schule aber vermittelt, dass wir nur für uns selbst lernen, dann hat sie ein grundlegendes gesellschaftliches Paradigma nicht verstanden.

6 - Medienkompetenz

Skeptiker
«Medienkompetenz ist was für Freaks, ich brauche das nicht. Wenn ich was brauche, dann frage ich meinen Sohn. Der kann das.»

Befürworterin
«Ich kann nicht jedes Mal jemanden fragen, ob er mir hilft. Das macht abhängig. Ausserdem bin ich dann zu langsam. Ich muss warten, bis jemand Zeit hat und hilft. Auf die Länge geht das nicht. Ich will das selbst können, dann habe ich auch bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt!»

Argumente
Zur individuellen Nutzung der Netzwerke ist Medienkompetenz gefragt. Medienkompetenz, so wie Heinz Moser sie beschrieben hat, ist eine Schlüsselqualifikation. Ohne diese Medienkompetenz geraten Berufsleute heute ins Abseits. Nicht erst in der Erwachsenenbildung gilt, dass die Informationsbeschaffung und -verteilung, das allgemeine und individuelle Informationsmanagement zur existentiellen Frage in Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft geworden sind.

Medienkompetenz ist

– kulturell
das Vertrautsein mit dem jeweiligen Codes der Medien sowie mit ihren ästhetischen und gesellschaftlichen Ausdrucksformen.
Kompetente Nutzer können die entsprechenden Mediencodes lesen und damit Medienaussagen kompetent wahrnehmen, verstehen und für weitere Bedürfnisse nutzen.

– sozial
die Fähigkeit, auf die Kommunikationsangebote sinnvoll einzugehen.
Beziehungen und Beziehungsangebote werden immer öfter medial gebunden, auch durch verschiedenste Formen von social Software.

– technisch
die Notwendigkeit, die Medien richtig zu handhaben und die mit ihnen verbundenen Gestaltungsmöglichkeiten zu beherrschen.

– reflexiv
Medienkritik. Die Benutzerin ist fähig, die Funktion der Medien sowie das eigene Verhalten mit und gegenüber diesen Medien zu jeder Zeit zu hinterfragen und kritisch zu betrachten.

(Quelle: Heinz Moser, Einführung in die Medienpädagogik, Opladen 2000.)

7 - Konsequenzen für die Organisation

Skeptiker
«Für E-Learning braucht es einfach eine Lernplattform. Dann stellt man die den Leuten hin und schaut, was passiert. Da braucht es keine flankierenden Massnahmen von der Organisation her. Das klappt dann schon.»

Befürworterin
«E-Learning hat viele Ebenen. Man darf die Leute damit nicht allein lassen. Sonst haben sie das Gefühl, sie seien ohnmächtig dieser neuen Medienwelt ausgeliefert. Es braucht dringend flankierende Massnahmen, damit wir eine Chance haben, mit diesen Mitteln zu arbeiten.»

Argumente
Die Einführung von E-Learning beinhaltet einige Punkte, denen Beachtung geschenkt werden muss:

– Didaktische Reform und neue Lernkultur
– Sorgfältige Abklärung der Bedürfnisse und Evaluation der Kriterien für die künftige Lernplattform
– Neue mediengestützte Lernangebote müssen produziert und verteilt werden
– Personelle und strukturelle Voraussetzungen müssen aufgebaut werden. Die Lehrpersonen brauchen neue Kompetenzen, es braucht ein Weiterbildungskonzept für den Lehrkörper. KL brauchen neue Kompetenzen (Coach, Beratung)
– Sicherstellung der nötigen Hard- und Software, und der Administration, Unterhalt und Pflege des Systems. Dienstleistung und Support muss gewährleistet sein.

8 - Fazit
E-Learning fällt nicht einfach so vom Himmel. Da viele von uns die digitalen Medien bereits nutzen, macht es Sinn oder es kann sogar nötig sein, E-Learning-Elemente in unsere Lernszenarien zu integrieren, um das Lernen nicht vom Alltag zu entfernen, sondern im Gegenteil, es zu einem Teil des Alltag zu machen.
Neben all den praktischen Begleiterscheinungen wie Orts- und Zeitunabhängigkeit des Lernens stehen zentrale Kompetenzen zur Debatte: Lernkompetenz, selbstverantwortlich und lebenslang, Sozialkompetenz, Kommunikations-Kompetenz, Medienkompetenz. Es sind diese Kompetenzen, die wir von klein auf lernen müssen, neben dem guten alten Lesen, Schreiben und Rechnen selbstverständlich, dessen Bedeutung niemand in Frage stellt, die im Gegenteil heute wichtiger sind denn je! Es sind aber auch diese «neuen» Kompetenzen, die es uns ermöglichen, in der heutigen Welt (multi-)kulturell global, wirtschaftlich, sozial und auch verantwortungsbewusst zu leben und am Leben teil zu haben. Lernen mit ICT kann uns dabei unterstützen.





Kommentare

Beat Döbeli Honegger - beat.doebeli [at] fhnw.ch - http://www.ict-kompass.ch
2006-08-17 16:30:42

In unserer Beratungspraxis sind wir auch oft mit der Frage konfrontiert, warum sich Schulen mit ICT auseinandersetzen sollten. Weil es dazu bereits genügend Bücher und Broschüren gibt, haben wir ein doppelseitiges A0-Poster - genannt ICT-Kompass - konzipiert, welches vier Argumente aufzeigt, warum Bildung ICT braucht. Mehr zu den vier Argumenten Lernargument, Lebensweltargument, Zukunftsargument, Effizienzargument ist auch unter http://www.ict-kompass.ch zu finden.

Miriam
2006-08-17 16:53:26

Vielen Dank, Beat, für diesen Link, das ist ja sehr interessant!

Andreas Auwärter - dkauwaer [at] uni-koblenz.de - http://www.uni-koblenz.de/~dkauwaer/blogline/
2006-08-22 15:47:19

Zuerst einmal vielen Dank für die Mühe. Das ist echt klasse, was die drei positionierten Rollen zum Ausdruck bringen.

Ich kann viele der Punkte wiederfinden, die einem alltäglich begegnen. Doch möchte ich noch einmal zurückfragen wollen, an wen die Frage denn gerichtet ist. Für Schulen finden sich ja immerhin andere Argumentationsstränge als für weiterbildende Organisationen.

Außerdem frage ich mich, inwieweit man nicht eventuell zwei parallele Dialogstränge aufzeichnen müsste: Aus der Arbeitswelt, also dort, wo ich vermuten kann, dass e-Learning schon eine andere Verbreitung hat - in die Ausbildungswelt. Denn ich sehe auch argumentativ einen Unterschied, dass jemand sich schon mit e-Learning und seinen Eigenarten bekannt gemacht hat, auch schon in der Schule ist eine andere Ebene der Argumentation als wenn man dies in/auf die Medienkompetenz verschöbe. Genug Impulse? PS: Wann macht Ihr einen Podcast draus, das ist nämlich eine tolle Steilvorlage! ;-)

Miriam - miriam [at] netzlernen.ch
2006-08-22 15:59:21

Diese Frage richtet sich in meinem Fall erst mal an Weiterbildende (Erwachsenenbildung) aber auch an Lehrpersonen Sek2 oder Sek1, die z. B. methodisch mit Webquests und technisch mit Blogs, Wikis, Foren etc. arbeiten. Hier werden im besten Fall Sozial- und individuelle Lernkompetenzen in kooperativen Lernaktivitäten gefördert. Ich hörte da bisher selten, dass die Lernenden sich mit der Technologie nicht zurecht fanden. Lücken in der Medienkompetenz der Lernenden beziehen sich eher auf die Ebene der Quellenkritik/Medienkritik.

Für die tertiäre Stufe kann ich das nicht beurteilen, denn ich weiss nicht, welche Kompetenzen die Studis (nicht) mitbringen. Wie ich gehört habe sind da eher die Dozierenden das «Problem», oder doch nicht?
Arbeitswelt? Die grossen internationalen Firmen stehen da wohl auch an einem anderen Ort als etwa KMU. Wer weiss da mehr?
Danke für den Input! Grüsse, Miriam

Andreas Auwärter - dkauwaer [at] uni-koblenz.de - http://www.uni-koblenz.de/~dkauwaer/blogline/
2006-08-22 17:23:02

Ich dachte nur an folgendes Szenario, dass einfach das Topic: Schlüsselqualifikation erweitern könnte:

Größere Konzerne, wie auch KMUs(?) setzen möglicherweise Erfahrungen mit e-Learning schlicht voraus - oder sind im Kontext der Personalentwicklung davon überzeugt, dass man die Systeme, die sie gerade im Angebot haben, bedienen kann.
Das impliziert jedoch nicht, dass man in dem Umgang mit solchen Systemen geübt ist. Das will heissen auch die Pferdefüße die es mit sich bringt , wie eigene Zeiteinteilung, sequentielles Online-Working (inklousive lost in Hyperspace), Zeit- und Lernmanagement etc kennt. Und von daher wäre ein "je früher mit diesen Dingen konfrontiert, desto besser" auch argumentativ einarbeitbar. Doch es könnte leicht als Totschlagargument interpretiert werden. Von daher der Anreiz auch einmal von der Perspektive der Firmen zu schauen, was denn Schülerinnen und Schüler mitbringen müssten, um im Arbeitsmarkt der Wissensgesellschaft (Uahh Buzzwordalarm) zu bestehen.

Andreas Auwärter - dkauwaer [at] uni-koblenz.de - http://www.uni-koblenz.de/~dkauwaer/blogline/
2006-08-22 17:29:46

Wie ich gehört habe sind da eher die Dozierenden das «Problem», oder doch nicht?

Hmmmm. Um das zu beurteilen bedarf es weiterer Gründe. Aber ich denke, um den Faden von Dir noch einmal aufzugreifen, ich bin mir nicht sicher, ob alle Studierenden schon wissen, wie sie mit Blogs sinnvoll umgehen. (Wenn ich daran denke, dass unsere teilweise noch nicht den Benefit von RSS inhaliert haben.) Aber man darf hier schlicht nicht einfach pauschalisieren.

Ich weiss auch nicht, wo genau der Haken ist. Sind es die Dozenten? Oder ist es der Kontent? Und das ist eine M.E gute Frage. Denn es gibt natürlich solche, die nicht willens sind ein Angebot aus dem Nichts entstehen zu lassen, weil sie nicht den Sinn darin sehen, als dass sie viel zeit dahingehend investieren wollten. Es gibt aber auch welche, die sich einfach zeitlich nicht arrangieren können den Kontent in den entsprechenden Kontext zu setzen. Und dann ist es keine Frage der Haltung, sondern eine Frage des Innovationsstau aufgrund der pragmatischen Gegebenheiten.

Soweit - bis denne
Andreas

Martin Ebner - mebner [at] gmx.at - http://elearningblog.tugraz.at
2006-08-23 13:29:02

hallo andreas, hallo miriam

zuerst mal danke für den artikel: WELTKLASSE (!)

auf die frage nach der tertiären stufe, hätte ich folgende anmerkung:
meines Erachtens ist das problen, dass wir in einer lehrveranstaltung z.B. einen blog nur schwer einsetzen können, da dieser von Verlinkung, Wissensverknüpfung usw. lebt. ich meine damit, dass bis ein solches instrumentarium "lebt" ist die LV vorbei ... das ist ein wesentlicher unterschied zur schule, wo fächer über viele jahre laufen. .. dies bedeutet, dass studierende bereits bloggen sollten, wenn sie auf die uni kommen, nur da sind wir im deutschsprachigen raum wohl noch etwas davon entfernt.

aber ich bin zuversichtlich

Andreas Auwärter - dkauwaer [at] uni-koblenz.de - http://www.uni-koblenz.de/~dkauwaer/blogline/
2006-08-23 18:35:36

Hallo Martin,

das Ganze klingt auch nach einer Strategie der kleinen Schritte :-) Ich erfahre auch die ganze Zeit, dass ich, wenn wir so richtig ans Arbeiten kommen, das Semester schon wieder vorbei ist. Aber ist das nicht schon wieder ein Phänomen, dass man das Thema des Blogs eventuell zu feingranular gewählt hat? (Wäre ja eine Überprüfung wert, oder?) Es könnte ja sein, dass es sich je nach Studiengestaltung anbeitet ein Blog / Podcast / Wiki zur primären Forschungsrichtung - also im grobgranularen Bereich anzusiedeln. Dann hieße er zum Beispiel zwar nicht mehr: Das Blog zum Seminar ... xyz. sondern das Blog zum Themenfeld des abc. Dann hätte man die Chance über einen längeren Zeitraum mit den gleichen Werkzeugen zu arbeiten. Für die Veranstaltungen würden sich dann Tags oder Kategorien anbieten. Ok. Aber das geht viel zu sehr ins Detail, und irgendwie passt es nicht mehr so genau ins Topic von Miriam. ;-) Vielleicht was für die Whishlist?

Liebe Grüße aus Koblenz am Rhein
Andreas

Miriam
2006-08-23 21:19:47

@Martin
Der Widerspruch liegt m. E. darin, dass das Blog ein persönliches Tool ist, also an eine Person (oder Gruppe) gebunden, die das individuell (für die Gruppe) nutzt. Es ist eben kein institutionelles Instrument. LMS sind in der Regel institutionelle Instrumente, die sich auf Lernveranstaltungen und deren Dauer anlegen lassen. Der Frust ist aber dann oft - nicht immer - ein wenig der, dass dann plötzlich der Zugang zu den schönen Quellen geschlossen wird, weil die LV auch irgendwann mal zu Ende ging.Die Frage lautet für mich: Wie kann man individuelle Arbeitsmittel wie Blogs an institutionelle Plattformen andocken? Wenn die LV vorbei ist, dockt man sich wieder ab.

@Andreas I
Ja ich weiss, nicht alle Studis wissen was RSS ist etc, das kann man ihnen auch nicht verübeln. Dieses Technowissen ist noch sehr wenig verbreitet.

@Andreas II
Das mit dem Themenbezug kommt der Sache näher, aber die Autor/innen können vielleicht mit der Zeit nicht mehr die gleichen Lernerfahrungen machen wie ihre Vorgänger/innen. Sicher ist es immer interessant ins Detail zu gehen, weitere Aspekte abzudecken. Aber je fortgeschrittener das Blog, desto mehr müssen sich die Lernenden dann doch wieder lesend aneignen. Würde da nicht auch die Motivation der einzelnen letztlich leiden?
Man könnte natürlich wie du sagst durch Kategorisierung und Detailfragen etc immer weitere spannende Felder abdecken, und bekanntlich wird's ja immer spannender, je mehr man ins Detail geht.
Aber beim Lernen könnte auch das Big Picture ja durchaus von Belang sein...

Cora Burger - Cora_Burger [at] web.de
2006-08-29 19:37:53

Hallo,

auch von mir ein herzliches Dankeschön für die gut strukturierten Argumente!

Bei Studierenden der Informatik setze ich im Fach "Wissenschaftliches Schreiben" jetzt zum 2. Mal Weblogs ein. Beim ersten Mal fand ich es sehr erfolgreich, trotz der kurzen Zeit eines Semesters. Aber für Informatiker ist der Umgang mit Weblogs natürlich unproblematisch.

Vielleicht könnte man für nicht-technische Fachrichtungen zu Beginn des Studiums eine Einführung in Basistechnologien wie z. B. Weblogs geben, als Schlüsselkompetenz für das gesamte Studium?

Viele Grüße aus Stuttgart
Cora

Miriam
2006-08-30 22:17:35

Eben ist mir noch ein weiteres Argument quasi über den Weg gelaufen. Es ist vielleicht auf einer etwas anderen Ebene anzusiedeln, aber sowohl didaktisch wie auch methodisch interessant.
Nämlich das Element Schriftlichkeit im E-Learning: Üben des schriftlichen Ausdrucks (Fremdsprachen, Sprachunterricht), aber auch Schreibpraxis, Lernen durch Schreiben, Reflexion.

Andreas Auwärter - dkauwaer [at] uni-koblenz.de - http://www.uni-koblenz.de/~dkauwaer/blogline/
2006-09-05 18:41:26

Hallo Miriam.

Das verschriftlichen von Gedanken und Args ist aber doch mehr als Schreibpraxis, Lernen durch Schreiben, Reflexion.

Wenn man es einmal weiter fasst, so ist ein lernender Blogger auch wieder ein "zwiegespaltenes" Wesen ( http://www.uni-koblenz.de/~dkauwaer/blogline/?p=29) Nämlich Produzenten und Konsumenten von Inhalten gleichermaßen.

Und wenn ich den Gedankengang einmal weiter aushole ergibt sich folgendes Bild: Ein aktiver Blogger ist eher etwas wie ein Mitteiler, also ein Lehrer. Er ist in der Notwendigkeit sein Wissen zu strukturieren, zu verbalisieren, zu formulieren .... letztenendes Darzubieten und zwar so, dass es der Andere auch versteht. (Es gibt auch den Ansatz lernen durch lehren, den man hier einfließen lassen könnte.)
In dem Moment, wo wirklich die essenziellen Dinge vermittelt werden können, dann habe ich sie auch verinnerlicht. Der gleiche Motor liegt ja auch dahinter, wenn man hochwertige Skripte anfertigt, mit denen Kommilitonen etwas anfangen etc. Warum nicht die digitale aktuelle Komponente ebenso damit füllen.

Bis denne
Andreas

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