Immer wieder veranstalten wir Weiterbildungskurse für Lehrende, die E-Learning-Elemente in ihren Bildungsangeboten einsetzen wollen. Wir arbeiten hauptsächlich in der Erwachsenenbildung. Themen sind erstens didaktische, dann erst technische. Es sind keine Computerkurse, die wir da veranstalten. Wir sprechen also sehr viel über Lernhandlungen / Lernaktivitäten und versuchen diese mit einer Interaktion im Internet zu verknüpfen. Etwa die Hälfte der weiterbildungswilligen Lehrpersonen sind über 50 Jahre alt.
Von der Skepsis zur Verzweiflung
Ich habe ein Phänomen beoachtet, von dem sicher auch andere berichten können. Da sitzen nun gebildete, jedenfalls nicht im geringsten «bildungsferne» Erwachsene im Raum, Lehrpersonen und Erwachsenenbildner, die von sich sagen, sie hätten
keine Ahnung, was da auf sie zukomme, wenn sie z. B. ein Forum einsetzten im Unterricht. Einige sagen als erstes (vor der Begrüssung), sie seien alles andere als
Computerfreaks. Das Selbstvertrauen ist im Keller (wenigstens das Computer- bzw. Internetnutzungsselbstvertrauen, sagen wir mal), das Vertrauen auf den eigenen Lernerfolg entsprechend auch. Die skeptische Grundhaltung weicht bald regelrechter Verzweiflung, wenn
wirklich nichts verstanden wird, wie die Betroffenen versichern. Es flossen auch schon Tränen in diesen Workshops.
Fehlende «virtuelle Vorstellungskraft»?
Ich bemühe mich um Anschaulichkeit, visualisiere, suche Analogien und Metaphern. Manchmal aber gelingt es mir offenbar nicht, einen Sachverhalt wirklich verständlich zu erklären. Ich möchte betonen, dass es sich bei unseren Einführungskursen nicht um komplexe Probleme handelt, oft geht es z. B. «nur» um den Einsatz von Foren, wobei die Komplexität der verschiedenen Kommunikationsebenen natürlich nicht zu unterschätzen ist. Ich meine, es sind Sachverhalte, die sich in meinen Augen wirklich einfach erklären lassen.
Einige Lehrpersonen können sich Virtualität von Sachverhalten aber offenbar
nicht vorstellen. Mussten sie diese Fähigkeit / Kompetenz nie entwickeln? Die Hälfte der Personen, die anfangs sagten, sie hätten keine Ahnung, versteht auch am Schluss wenig. Und ich glaube wirklich langsam, dass die Betroffenen sich virtuelle Kommunikationswege, Beziehungen im virtuellen Raum, Lern
handlungen im Internet schlicht nicht vorstellen können! Sie können an nichts Bekanntem anknüpfen.
Gibt es so etwas wie eine «virtuelle Vorstellungskraft», «virtuelles Denken», wie es «räumliches Denken» oder «räumliches Denkvermögen» gibt? Immerhin gibt es eine
«räumliche Intelligenz» (spacial intelligence).
Ist die Vorstellungskraft, die es braucht, um sich im virtuellen Raum zu bewegen, diesen zu denken, eine Form der räumlichen Intelligenz, die nun bei einigen Menschen einfach weniger vorhanden zu sein scheint? Und ist es auch so, dass die jüngeren Lehrenden, die deutlich weniger Schwierigkeiten haben, sich in den virtuellen Raum zu begeben, dies besser bewältigen, weil sie sich diese Vorstellungskraft irgendwie angeeignet haben?